Auf dem Podium zu Gast waren: Prof. Dr. Giovanni Maio, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Universität Freiburg; Pfarrerin Clarissa Graz, Theologische Vorständin des Evangelischen Vereins für Innere Mission in Frankfurt sowie Ute Stettner, Abteilungsleitung für Pflege und Öffentliche Gesundheit, Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege. Die Moderation übernahm Werner Schliericke, Rundfunk-Moderator und Redakteur. Für einen spritzigen Einstieg ins Thema sorgte die bekannte Poetry Slamerin, Krankenpflegerin und Medizinstudentin Leah Weigand.
Die Diskussionsrunde machte deutlich, dass Pflege weit mehr ist als eine Frage der Finanzierung. Prof. Dr. Giovanni Maio betonte, dass alle Beteiligten in den Blick genommen werden müssten, auch die Pflegenden selbst. Zudem plädierte er für einen veränderten Blick auf ältere Menschen: Sie seien keineswegs überflüssig, sondern weiterhin wichtige und relevante Mitglieder der Gesellschaft und sollten als solche sichtbar bleiben. Ute Stettner stellte die Frage in den Mittelpunkt, wie das gesellschaftliche Zusammenleben in Zukunft gestaltet werden soll und welche Verantwortung Menschen füreinander im Sozialraum übernehmen können. Sie verwies auf die Förderung entsprechender Sozialraum-Projekte durch das Land Hessen. Prävention sei ebenso ein wichtiger Ansatz, um insbesondere Menschen ab 60 Jahren frühzeitig für das Thema Pflege zu sensibilisieren. Clarissa Graz betonte die Bedeutung von menschlicher Begegnung in der Pflege und wies auf die Haltung der Inneren Mission hin, Einrichtungen zu den Quartieren hin zu öffnen und Begegnungsräume zu schaffen. Als Träger einer Pflegeschule hob sie zugleich hervor, wie wichtig es sei, die Begeisterung junger Pflegekräfte für ihren Beruf zu erhalten. Einen eindrucksvollen Einblick in den Pflegealltag gab Leah Weigand. Sie erinnerte daran, dass Pflegekräfte Menschen in den wichtigsten und emotionalsten Momenten ihres Lebens begleiten. Gleichzeitig seien sie häufig mit Zeitdruck und Personalmangel konfrontiert. Das Image des Berufs sei in der Gesellschaft oft wenig attraktiv und löse eher Mitleid als Anerkennung aus.
Insgesamt wurde deutlich, dass Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden muss. Neben strukturellen und finanziellen Fragen braucht es mehr Wertschätzung für Pflegebedürftige und Pflegekräfte, stärkere soziale Netzwerke im Quartier sowie eine Kultur des Miteinanders und der Verantwortung füreinander. Veranstalter der Podiumsdiskussion waren das Evangelische Dekanat Kronberg, die Katholische Erwachsenenbildung Main-Taunus, die Katholische Region Taunus, die Regionale Diakonie Main- und Hochtaunus sowie der Caritasverband Taunus.